Als englische Textilmanufakturen die Welt mit Massenware fluteten, nutzte das deutsche Kaiserreich eine scheinbar wertlose Substanz, um ein neues industrielles Imperium zu errichten: den übelriechenden Steinkohlenteer. In hastig errichteten Fabriken am Rhein gelang es Chemikern, aus diesem Abfallprodukt des Gaslichts brillante Anilin-Farben zu extrahieren. Dies war der Startschuss für einen wirtschaftlichen Aufstieg ohnegleichen. Aus der anfangs unübersichtlichen Pionierphase kristallisierte sich schnell ein rücksichtsloses Machtstreben heraus. Unternehmen wie Bayer, Hoechst und BASF erkannten, dass ein ruinöser Preiskampf ihre Margen vernichten würde. Anstatt zu konkurrieren, formten sie hochkomplexe, geheime Kartellstrukturen, tauschten Patente aus und schotteten den Weltmarkt aggressiv ab. Aus diesem toxischen Bündnis von Interessen entstand später das Konstrukt der IG Farben, das die pharmazeutische, landwirtschaftliche und militärische Versorgungsgewalt einer ganzen Nation bündelte. Blicken Sie in die tiefschwarzen Quellen der deutschen Industrie. Analysieren Sie die systematische Aushebelung des freien Marktes, die aus einfachen Farbstoffkochern die mächtigsten Chemie-Oligarchen Europas machte.
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Anilin-Kartelle: Die dunkle Geburtsstunde der IG Farben: Monopole, Teer, und die industrielle Machtkonzentration im deutschen Kaiserreich, 1860–1914
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