Lena Wittbergs außergewöhnliche Erzählsammlung entführt die Leserschaft in eine vertraute und doch vollkommen verwandelte Welt: in die karge, weitläufige Landschaft der Extremadura, wo Windräder sich langsam gegen einen endlosen Himmel drehen und ein Ritter mit klappernder Rüstung auf einer Nationalstraße galoppiert. Sieben sorgfältig komponierte Erzählungen verknüpfen Cervantes' unsterbliche Gestalten mit den Konflikten und Widersprüchen der Gegenwart – und stellen dabei grundlegende Fragen über das Wesen von Wirklichkeit, Erinnerung und dem Sinn des Kämpfens. Im Zentrum steht die tragikomische Begegnung zwischen dem unerschütterlichen Idealisten Don Quijote und einer Welt, die seinen Idealen auf jede erdenkliche Weise widerspricht. Windräder werden zu Riesen, Umweltaktivistinnen zu Burgfräulein, und bürokratische Abweisungen zu Scharmützeln, die an ritterliche Niederlagen erinnern. Wittberg gelingt dabei das Kunststück, Cervantes' Figuren weder zu verklären noch zu parodieren, sondern ihnen eine neue, dringliche Würde zu verleihen. Die Geschichten sind metafiktional angelegt und brechen wiederholt mit der vierten Wand: Figuren zweifeln an ihrer eigenen Herkunft, Erzählerinnen treten in ihre eigenen Texte ein, und der Leser wird unversehens selbst Teil des literarischen Spiels. Trotz dieser formalen Experimentierlust behält die Autorin stets ihren unverwechselbaren, lakonisch-poetischen Ton, der selbst den absurdesten Momenten eine eigentümliche Schwere verleiht. Wer bereit ist, sich auf dieses literarische Abenteuer einzulassen, entdeckt ein Buch voller Tiefgang, Witz und stiller Melancholie.
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Cervantes im Schatten des Tajo: Sieben metafiktionale Erzählungen aus der Extremadura
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