Sigrid Haldorsens Kurzgeschichtenband "Das Evangelium des Teufels" ist eine fesselnde Sammlung von acht literarischen Miniaturen, die den schmalen Grat zwischen Glauben und Manipulation, Charisma und Missbrauch, Heiligkeit und Verführung ausleuchten. Mit scharfem Blick und dichter, atmosphärischer Prosa erkundet die Autorin, wie Menschen durch Überzeugung, Täuschung und das Versprechen von Bedeutung in den Bann anderer geraten. Bereits die erste Geschichte um den rätselhaften "Wundermann von Pokrowskoje" zieht den Leser unwiderstehlich in eine Welt, in der das Grenzenlose und das Bodenständige aufeinanderprallen. Ein junger Mann mit dem Blick eines Propheten, der sein Dorf in Sibirien in Staunen versetzt, steht stellvertretend für ein Menschenbild, das durch alle acht Erzählungen schimmert: charismatische Figuren, die andere brauchen, um sich selbst zu spüren – und die dabei oft mehr nehmen, als sie geben. Haldorsen gelingt es, religiöse und machtpolitische Dynamiken ohne Schwarz-Weiß-Malerei zu zeichnen. Ihre Figuren sind weder reine Täter noch bloße Opfer. Die Täuschung, die sie beschreibt, trägt immer auch etwas Menschliches in sich – ein Hunger nach Gemeinschaft, nach Wunder, nach Gehörtwerden. Diese psychologische Tiefe macht den Band zu mehr als nur einer Ansammlung moralischer Parabeln. Die Sprache ist präzise und sinnlich zugleich, voller Bilder, die sich einprägen. Wer bereit ist, sich auf diese acht Geschichten einzulassen, wird mit einem Leseerlebnis belohnt, das lange nachwirkt.
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Das Evangelium des Teufels: Acht Geschichten über Glaube, Macht und die Kunst der Täuschung
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