Sieben Stimmen, die von Treue und Verrat erzählen – und von der schmalen Linie, die zwischen beiden verläuft. In "Das Blut am Rütli" entfaltet Sigrid Hallqvist sieben eigenständige Geschichten, die in der Welt der Eidgenossen verwurzelt sind, ohne sich in Heldengesang zu erschöpfen. Das mythische Rütli, jener Ort des Schwurs und der Gemeinschaft, bildet den symbolischen Kern eines Bandes, der sich einer anderen Seite der Geschichte widmet: dem Zweifel, der Stille vor dem Verrat und den Menschen, die beides kennen. Der Auftakttext "Der leere Platz" gibt den Ton vor: Ein vermisster Kontaktmann, ein zerwühlter Waldboden, zerfetzte Pergamentfetzen – und ein Ermittler namens Konrad Steiner, der lautlos zwischen Loyalitäten navigiert. Hallqvists Prosa ist dicht und atmosphärisch, von handwerklicher Präzision durchzogen. Jeder Satz sitzt. Jede Geste trägt Gewicht. Die Autorin schreibt nicht über Geschichte, sie lässt sie riechen: nach Lederfett, saurem Bier und nassem Waldmorgenboden. Was diesen Erzählband besonders macht, ist die konsequente Perspektive auf das Kleine im Großen. Nicht Schlachten stehen im Mittelpunkt, sondern die Augenblicke davor und danach – der Moment, in dem ein Mensch entscheidet, welcher Seite er angehört. Die Figuren sind vielschichtig gezeichnet: Mechthild, die Wirtin, die alles weiß und nichts sagt. Ulrich von Seedorf, der neben statt gegenüber steht, und damit alles bedeutet. Menschen, die in ihrer Schweigsamkeit mehr verraten als in Worten. Für Liebhaber historischer Literatur, die Tiefe der Figurenzeichnung über den Spektakel der Epoche stellen, ist dieser Band eine seltene Entdeckung.
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Das Blut am Rütli: Sieben Geschichten vom Verrat und der Treue
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