Ein unbekanntes Siegel. Eine gefälschte Handschrift. Ein Name unter einem Verrat — der eigene. Halvard Nygrens Erzählband "Zwinglis Schatten" entführt den Leser in die aufgewühlte Welt der Schweizer Reformation des frühen 16. Jahrhunderts — eine Zeit, in der ein einziger Brief über Leben und Tod entscheiden konnte. In sieben meisterhaft komponierten Geschichten gibt der Autor kleinen, namenlosen Menschen des Alltags eine Stimme: Schreibern, Wäscherinnen, Chorherren, Boten und Gläubigen, die zwischen den Mühlsteinen der großen Geschichte zerrieben zu werden drohen. Im Zentrum des Bandes steht das Zürich Ulrich Zwinglis — eine Stadt im Umbruch, geprägt von Glaubenseifer, politischem Kalkül und persönlichem Verrat. Nygren schildert diese Epoche nicht aus der Vogelperspektive der Historienbücher, sondern von unten, aus den Skriptorien und Wäschegängen, den kalten Kammern und heimlichen Begegnungen. Die Sprache ist dicht, präzise und atmosphärisch; sie riecht nach Tintenkalk und Kerzenwachs, nach feuchtem Stein und verbrauchter Luft. Was den Band besonders auszeichnet, ist Nygrens Gespür für das Psychologische: Seine Figuren handeln nicht als Helden oder Schurken, sondern als Menschen unter Druck — abwägend, zweifelnd, zögernd. Loyalität und Selbsterhaltung, Glaube und Vernunft, Mut und Angst stehen in einem beständigen, glaubwürdigen Spannungsverhältnis. "Zwinglis Schatten" ist sowohl für Liebhaber historischer Prosa als auch für Leser, die Kurzgeschichten von literarischer Tiefe schätzen, eine außergewöhnliche Entdeckung — sieben Mal Feuer, sieben Mal Schatten.
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Zwinglis Schatten: Sieben Geschichten aus dem Feuer der Reformation
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